Mein erster Auslandsaufenthalt in diesem Jahr ist vorbei und ich bin von meinem Wochenendtrip aus Kuala Lumpur zurück. Kuala Lumpur ist Malaysia. Und das mein ich nicht nur geographisch. Denn trotz der Nähe und der gemeinsamen Vergangenheit gibt es doch große Unterschiede zu Singapur. KL ist lauter, hektischer, dreckiger und heißer - eben eine südasiatische Hauptstadt.
Um 6:10 Uhr ging mein Flug mit der Billigfluggesellschaft TigerAir vom Changi Airport nach KL. Keine 40 Minuten später war ich dann auch schon da. Schnell durch die Passkontrolle und ab in den Bus, da der Flughafen KLIA gut 75 km südlich der Stadt liegt. Eine Stunde später bin ich am neuen Hauptbahnhof Stesen Sentral angekommen. Und dann begannen schon die ersten Probleme. Als öffentliche Verkehrsmittel dienen hier Hochbahnen. Doch anders als in Singapur gibt es hier vier Betreibergesellschaften. So dass die Stationen untereinander sehr selten verbunden sind und man beim Umsteigen zu einer anderen Station laufen muss. Und zum anderen gibt es natürlich auch keine gemeinsamen Fahrkarten. Man muss also für jede Strecke ein einzelnes Ticket kaufen. Auch die Automaten sind recht unpraktisch, da sie meinen 10-Ringgit-Schein (etwa 2,10€) nicht angenommen haben. Man kann nur mit max. 5 Ringgit zahlen. Also musste ich doch erstmal meinen "2€-Schein" wechseln!
Dann ging's endlich los. Natürlich zum Wahrzeichen der Stadt, den Petronas Twin Towers (1. Bild). Und die sind einfach nur gigantisch. So hoch, dass ich sie fast nicht komplett fotografieren konnte. Mit 452 Metern waren sie bei der Fertigstellung 1996 das höchste Gebäude der Welt und ist heute

noch das höchste Gebäude mit Zwillingstürmen und besitzt die weltweit höchste SkyBridge. Diese Brücke verbindet die beiden Türme im 41. Stockwerk miteinander. Täglich werden 1.200 Freikarten für einen 10minütigen Besuch verteilt. Entsprechend lang war dann auch die Schlange als ich um 9:00 Uhr dort war. Aber dafür hab ich mein Ticket für 15 Uhr bekommen und die Aussicht ist schon fantastisch. Dazu bekommt man noch ein Petronas-Gehirnwäsche-Promovideo gezeigt. Diese Image-Werbung soll zeigen wie toll doch der nationale Öl- und Gaskonzern ist.
In der unteren sechs Stockwerken kann man dann im großen Stil einkaufen. Hier ist alles vertreten was Namen hat - natürlich auch mit entsprechenden Preisen. Hinter den Türmen befindet sich noch ein schöner Park, der den ganzen Kuala Lumpur City Centre Komplex (KLCC) miteinander verbindet.
Danach ging's erstmal ins Hotel. Sehr günstig, aber trotzdem recht sauber, innen sogar mit einem eigenen Subway-Restaurant. Und die Sandwiches kosten dort doch tatsächlich keine 2€. In Deutschland bezahlt man glaub ich das 3fache.

Am Abend ging es dann nach Chinatown (2. Bild). Dort gibt es den bekannten Nachtmarkt mit den vielen bekannten "Originalwaren". Klamotten, Schuhe, Uhren und Taschen - bei allem kann man sich über's Ohr hauen lassen.
Am Sonntag

fuhr ich dann nach dem sehr enttäuschenden World Trade Center zum Pedang (3. Bild), einer Rasenfläche auf der 1957 die Unabhängigkeit ausgerufen wurde. Dort befindet sich auch der mit 100m höchste Fahnenmast der Welt. Sehr hübsch sind auch die umliegenden Gebäude wie der Selangor Club und das Sultan-Abdul-Samad-Gebäude. Weiter ging es dann über den Zentralmarkt (4. Bild) Richtung Süden zum alten Hauptbahnhof, der mit seinen Kuppeln und Türmen eher einer Moschee gleicht und im Osten das Golden Triangle mit einigen Shops und Einkaufsmöglichkeiten. Am Times Square gab es dann die erste Pizza des Jahres. Lecker und endlich auch billig. Mmmmmmmmhhhh.
Generell kann ich sagen, dass KL einige schöne Ecken hat, aber leider auch viele unschöne. Alte, heruntergekommene Häuser sieht man überall, dazu die

viele Motorräder und nicht funktionierende Ampeln, so dass man nur bei rot die Straßen überqueren kann. Dreckig ist es überall, außer am Pedang und den Twin Towers. Auch die Menschen sind hier anders. Ständig wird man von Taxifahrern angehupt (als ob man nicht sehen würde, dass das Taxi frei ist) oder von anderen angesprochen. Zuerst dachte ich, mich will einer durch ein Gespräch ablenken und ein anderer von hinten ausrauben. Doch nachdem dies nicht passierte und mir auch keiner irgendetwas andrehen wollte, hab ich gemerkt, dass es hier üblich ist und die Menschen viel offener gegenüber Fremden sind. So hat mich z.B. ein Student aus Libyen auf dem Weg zum Nachtmarkt angesprochen. Solange man den gleichen Weg geht, unterhält man sich wo man herkommt und was man so macht. Muss einer dann abbiegen, verabschiedet man sich und geht wieder getrennt Wege. So bekommt man doch noch so manch einen Tipp. Am KLCC wollte sich dann auch noch eine Gruppe von neun malaiischen Mädels mit mir fotografieren lassen. Jede einzeln, vesteht sich.
Am Abend ging dann mein Bus vorbei an der Sepang F1 Rennstrecke zurück an den Flughafen. Und nach 40 Minuten Flug war ich dann endlich wieder daheim. Und wie ich feststellte, bin ich hier schon ein Einheimischer. So musste ich mich nicht an die langen Schlangen für Ausländer an den Immigration-Schaltern anstellen, sondern durfte an den "Welcome home"-Schalter und saß 10 Minuten später in meiner (leeren, einfachen und sauberen) Bahn nach Hause.